Streuobst-genussschein
als offizielles Projekt der
"UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgezeichnet

Mit der Anerkennung als offizielles Projekt der UN Dekade Biologische Vielfalt erhält der in Mecklenburg-Vorpommern entwickelte Streuobstgenussschein eine hohe Auszeichnung.

Für die Jahre 2011 bis 2020 wurde durch die Vereinten Nationen die UN Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen (www.undekade-biologischevielfalt.de). Die Umsetzung in Deutschland erfolgt u. a. durch die Auszeichnung herausragender Initiativen als UN Dekadeprojekte.

„Ich freue mich, dass nach der Waldaktie und den MoorFutures auch das dritte ökologische Wertpapier aus Mecklenburg-Vorpommern die Auszeichnung als UN Dekadeprojekt erhält“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus. „Dies beweist abermals, dass unsere Ergebnisse für eine alternative Finanzierung von Ökosystemleistungen weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen werden! Ich bin mir sicher, dass der Streuobstgenussschein ähnlich erfolgreich wirkt wie seine Vorgänger.“ Dabei sei die Entwicklung der Wertpapiere kein Selbstzweck, so der Minister. „Wir haben uns im gesellschaftlichen Konsens auf Ziele im Klimaschutz und im Naturschutz geeinigt. Wenn uns die Natur preiswerte Möglichkeiten zur Erreichung der Ziele aufzeigt, dann sollten wir diese nutzen!“

Der Streuobstgenussschein wurde im April 2015 mit einer Pflanzaktion in Gehren gestartet. Der Vertrieb erfolgt durch die Akademie für Nachhaltige Entwicklung (ANE) mit Sitz in Güstrow. „Der Streuobstgenussschein ist für mich ein weiterer Baustein einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume“, betont Geschäftsführer Prof. Dr. Peter Adolphi, „er symbolisiert geradezu beispielhaft das Bild des Garten der Metropolen.“

Die Auszeichnung wird vorgenommen durch den Geschäftsführer des Kollegs für das Management und die Gestaltung Nachhaltiger Entwicklung (KMGNE), Dr. Joachim Borner. Für ihn steht das kommunikative Element im Vordergrund. „Der Streuobstgenussschein steht für die Inwertsetzung ökologischer Leistungen,“ so Joachim Borner., „der Wert von Streuobstwiesen für die biologische Vielfalt wird so auch außerhalb von Expertenkreisen sichtbar!“


v.l.n.r. Dr. Joachim Borner (Geschäftsführer des Kollegs für das Management und die Gestaltung Nachhaltiger Entwicklung - KMGNE), Ulrike Gisbier (Akademie für Nachhaltige Entwicklung MV - ANE), Dr. Thorsten Permien (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern


Lebensräume
mit hoher
biologischer
Vielfalt

Einmal ganz unabhängig davon, wie schön vielfältige Biotope und Landschaften sein können, stellen sie einen wichtigen Faktor für zukünftige Entwicklung dar.

Lebensräume mit hoher biologischer Vielfalt erbringen wertvolle Leistungen zum Erhalt von Natur und Menschheit. Nicht umsonst fordert die Weltorganisation eine globale Vereinbarung für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität. Mit dem Streuobstgenussschein liegt ein attraktives Instrument für eine konkrete Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern vor.

Es wird geschätzt, dass die derzeitige Aussterberate etwa um den Faktor 100 bis 1.000 über dem natürlichen Wert liegt. Um den Verlust von biologischen Vielfalt aufzuhalten, sind jährlich Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro notwendig. Diese Zahl verdeutlicht, dass neben öffentlichen Geldern auch privates Kapital zur Erreichung der Ziele mobilisiert werden muss. Hier ist also Handlungsbedarf gegeben.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas! Sie finden aus diesem Grund Berücksichtigung in verschiedenen Strategien zum Erhalt der Artenvielfalt. Dies gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern: hier wurde im Dezember 2012 das Konzept „Erhalt und Entwicklung der Biologischen Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern“ veröffentlicht, in dem Streuobstwiesen eine wesentliche Rolle zur Erreichung der Ziele zugestanden wird.


Garant
wichtiger
Ökosystem-
dienstleistungen

Streuobstwiesen erbringen eine Reihe unverzichtbarer sogenannter Ökosystemleistungen. Grundlage hierfür ist die eingangs erwähnte hohe Artenvielfalt, die hier anzutreffen ist. Als Lebensraum für (Wild-)Bienen erhöht eine Streuobstwiese die Bestäubungsleistung innerhalb der Region. Weitere Ökosystemleistungen werden beispielsweise in den Bereichen Erosionsschutz, Grundwasserschutz und Landschaftsästhetik erbracht. Streuobstwiesen sind somit wichtige Bausteine zur Erreichung gesellschaftlich akzeptierter und als notwendig anerkannter Ziele. Ein „Verzicht“ auf Streuobstwiesen würde zur Erreichung der Ziele an anderer Stelle Kosten verursachen, die im Zweifelsfalle von der Gesellschaft zu tragen wären.


Initiativen
und Ideen

Eine Reihe lokaler und regional tätiger Initiativen hat sich deshalb bereits auf den Weg gemacht hat, Streuobstwiesen zu retten, neue anzupflanzen oder die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und Schönheiten von Streuobstwiesen zu entdecken. Ihre Ideen reichen von Selbstversorgerprojekten über Nebenerwerbskonstrukte bis hin zu interessanten, individuell produzierten Besonderheiten, die die Einzigartigkeit der Landschaft treffend begleiten können. Dabei gibt es mehr als Äpfel oder alte Bäume zu entdecken: Bienenvölker und andere Insekten, Vögel, Kleinsäuger, touristische Angebote wie Entdeckertouren, Umweltbildungsspiele oder Lehrpfade. Historische Sorten werden vermehrt, Reiser getauscht, Menschen bilden sich entsprechend fort. So ist im Streuobstnetzwerk MV ein Zuwachs an Interessierten und an Bildungsangeboten zu verzeichnen.